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Presse-Erklärung

Samstag, 8. Oktober 2016

Protest gegen den Ausstieg der Türkei aus der EU-Kulturförderung wegen des Projektes „aghet – ağıt“

Wir protestieren aufs Schärfste gegen die Entscheidung der Türkei, sich nicht mehr am EU-Kulturprogramm zu beteiligen. Laut türkischen Medienberichten und Aussage der EACEA (Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur) hat die türkische Regierung die Zusammenarbeit aufgrund des dem Völkermord an den Armeniern gewidmeten Versöhnungsprojektes aghet beendet. Die Reaktion der türkischen Regierung trifft vor allem die türkischen Künstlerinnen und Künstler, die von der Förderung der EACEA künftig ausgeschlossen werden. Die europäische Kulturförderung beträgt 1,5 Milliarden Euro und kommt ausgewählten Kooperationsprojekten zwischen mindestens drei Ländern zugute.

Wir, die Initiatoren des Projektes, der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, und der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist Marc Sinan, sagen: „Es ist ein perfider Akt der türkischen Regierung, eine Versöhnungsinitiative als Vorwand zu nutzen, um türkische Künstler zu bestrafen.“

Die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan nehmen ihr bevorstehendes Konzert in Istanbul nun zum Anlass, eine deutsch-türkisch-armenische Freundschaftsgesellschaft zu gründen. Sie schließen sich damit dem türkischen Philantrophen Osman Kavala an, der laut Süddeutscher Zeitung kürzlich deutsche Künstler und Kulturinstitutionen beschwor, die kulturellen Kontakte zu seiner Heimat nicht zu kappen – die Türkei könne sich sonst in einen geschlossenen Staat verwandeln.

Die Initiative ist an die einst von Mikis Theodorakis gegründete „griechisch-türkische Freundschaftsgesellschaft“ angelehnt. Nach diesem Vorbild streben die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan auf kultureller Ebene nach Verständigung und Versöhnung zwischen Armenien, der Türkei und Deutschland. Bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik aus allen drei Staaten sind unter den Gründungsmitgliedern.

Das Projekt aghet erregte im April 2016 internationale Aufmerksamkeit, nachdem der türkische EU-Botschafter dagegen interveniert und von der Europäischen Kommission die Einstellung der Unterstützung verlangt hatte. Durch die Teilnahme an der EU-Kulturförderung hatte auch die Türkei aghet finanziell unterstützt.
s. Webseite www.aghet.eu

Mit aghet gedenken Musikerinnen und Musiker aus der Türkei, Armenien, Deutschland und dem ehemaligen Jugoslawien des Völkermordes an den Armeniern vor 100 Jahren. Die türkische Komponististin Zeynep Gedizlioğlu, der armenische Komponist Vache Sharafyan und der deutsche Komponist Helmut Oehring haben für das Projekt neue Orchesterwerke geschrieben.

Nach der Uraufführung im November 2015 in Berlin und der international beachteten Aufführung im Festspielhaus Hellerau (Dresden) im April 2016, wird das Projekt am 5. November 2016 in Kooperation mit dem No Borders Orchestra in Belgrad, am 10. November in Jerewan und schließlich in einer kammermusikalischen Fassung am 13. November 2016 in Istanbul zu erleben sein.

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