Kategorie: Aktuelles

Rudolf Stilcken Preis

Den Dresdner Sinfonikern wurde der Rudolf Stilcken Preis verliehen

Bereits zum vierten Mal wurde am Donnerstag, den 09. Mai 2019 in der Hochschule für Musik und Theater der Rudolf Stilcken Kultur-Kommunikationspreis an kulturelle Einrichtungen aus Hamburg und dem gesamten nordostdeutschen Raum vergeben.

Der Hamburger Preis für Kultur-Kommunikation – so der ursprüngliche Name des Preises – wurde von Rudolf Stilcken bereits im Jahr 2013 initiiert. Nach dem plötzlichen Tod Rudolf Stilckens im Sommer 2016 entschied sich seine Frau Angelika Jahr-Stilcken, den Rudolf Stilcken Kultur-Kommunikationspreis im Gedenken an ihren verstorbenen Mann zu stiften und der Hochschule für Musik und Theater, der Rudolf Stilcken eng verbunden war, die Trägerschaft zu übertragen. Als weiterer Partner und Unterstützer des Preises trat 2019 die Adalbert Zajadacz-Stiftung in Erscheinung.

Aus den zahlreichen Bewerberinnen und Bewerbern wählte die hochkarätige Jury – zusammengesetzt aus Dr. Katrin Schumacher (MDR, Halle), Christine Standfest (ImPulsTanz, Wien), Marion Tiedtke (Schauspiel Frankfurt), Ute Thon (art Magazin), Stefan Haslbeck (Stadtmuseum, München) und Prof. Reinhard Flender (HfMT, Hamburg) – drei überzeugende Projekte aus:

So wurde der dritte Preis den Dresdner Sinfonikern verliehen, die sich seit vielen Jahren mit verschiedenen, auch politisch engagierten und internationalen Projekten dafür einsetzen, Musik als verbindendes Element den Menschen nahe zu bringen und mit musikalischen Mitteln Brücken zu bauen.

Den zweiten Preis erhielt das Berliner Peng! Kollektiv, denen mit ihren aufrüttelnden, hochprofessionellen und durchaus streitbaren Aktionen eine Gratwanderung zwischen Performance, Aktivismus und Kunst im öffentlichen Raum gelingt.

Der erste Preis wurde dem Hamburger Kampnagel verliehen, der sich unter Amelie Deuflhards künstlerischer Leitung als Veranstaltungsort, kulturelles Zentrum und international bedeutender Standort für u.a. Kunst, Musik, Performance und Tanz etabliert hat und sowohl in seiner unmittelbaren Nachbarschaft, wie auch in Hamburg und über dessen Grenzen hinaus große Strahlkraft entwickelt hat.

Die Preisverleihung fand im Forum der Hochschule für Musik und Theater statt, im Anschluss an die kurzweilige Verleihung ließen die Gäste, die Preisträgerinnen und Preisträger sowie die Jury den Abend noch gut gelaunt bei einem Empfang ausklingen. Unter den Gästen befanden sich Angelika Jahr-Stilcken, der Vorstand der Adalbert Zajadacz-Stiftung, Prof. Andreas Köster und Hans-Jürgen Vallentin, der Präsident der Hochschule für Musik und Theater, Prof. Elmar Lampson, sowie zahlreiche Gäste aus der Kultur-, Wirtschafts- und Medienwelt.

© Foto auf der Startseite: Dominik Odenkirchen


Erich Kästner Preis

Markus Rindt erhält den Erich-Kästner-Preis

Am 2. Dezember 2018 wurde Markus Rindt mit dem Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet. Der Presseclub Dresden ehrte damit sein vielfältiges Engagement für eine bessere Verständigung der Völker, gegen Fanatismus und Abschottung und seinen unermüdlichen Einsatz für die Dresdner Sinfoniker, die nunmehr seit 20 Jahren das internationale Kulturleben mit einem positiven Signal aus der Stadt Dresden bereichern.

Für Markus Rindt stellt diese Auszeichnung eine sehr große Ehre dar – vor allem unter dem Aspekt, dass der Erich-Kästner-Preis in der Vergangenheit so bedeutenden Persönlichkeiten wie Ignatz Bubis, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher oder Joachim Gauck verliehen wurde. Er dankte seiner Familie, seinem Team und den Musikerinnen und Musikern der Dresdner Sinfoniker, die in der Vergangenheit immer wieder mit viel Engagement und Idealismus bei seinen Projekten mitwirkten.

Aus diesem Anlass möchten wir Ihnen das MDR-Klassik-Gespräch vom 29. Oktober 2018 zum Nachhören empfehlen, wo Markus Rindt mit Redakteur Thomas Bille über seine Biographie, seine Neugier auf andere Kulturen, über die politische Bedeutung von Musik und seine Arbeit mit den Dresdner Sinfonikern spricht.

Die 10.000 Euro Preisgeld spendet Markus Rindt übrigens in voller Höhe der Dresdner Initiative „Musaik – Grenzenloses Musizieren“, die im September 2017 von den Musikpädagoginnen Luise Börner und Deborah Oehler gegründet wurde und sich kostenlos an Kinder aus schwierigen ökonomischen oder familiären Verhältnissen richtet. Zudem wollen die Dresdner Sinfoniker eine Kooperation mit dem „neuen Orchester“ im Stadtteil Prohlis eingehen und die Kinder bei einem Konzert im nächsten Jahr in das Programm einbinden.

© Foto: Ralf U. Heinrich


TDTW Anmerkungen Social Media

TEAR DOWN THIS WALL!

Anmerkungen zu Fragen und kritischen Äußerungen in den sozialen Medien

Liebe Leser/innen,
der Erfolg unseres Projektes TEAR DOWN THIS WALL! in Tijuana hat es notwendig gemacht, einige erklärende Worte zu unserer Intention und auch die zugehörigen Fakten zu publizieren. Es erreichen uns über die sozialen Medien, per Email aber auch in den Kommentarspalten der Medien viele Fragen, kritische Äußerungen und leider auch immer wieder Hasskommentare. Obendrein werden leider auch Lügen verbreitet.

Wir möchten deswegen klarstellen:
1. Unsere Aktion ist nicht mit öffentlichen Geldern finanziert, sondern über eine Crowdfunding Kampagne auf Kickstarter.

2. Wir sind gegen Mauern weltweit. Die Konzerte an der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten sind symbolisch für unsere Haltung gegen Mauern weltweit und vor allem gegen die Mauern in den Köpfen.

3. Wir fordern mit unserer Aktion, das Leid von Immigranten und Flüchtlingen weltweit sowie das unerträgliche Sterben der Menschen im Mittelmeer zu beenden.

4. Wir haben am 3. Juni gemeinsam mit US-Amerikanischen und Mexikanischen Musikern und Künstlern ein Zeichen gesetzt. Menschen auf beiden Seiten der Grenze haben klar zum Ausdruck gebracht, dass sie die dortige Mauer nicht für die richtige Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit halten. Es befürwortet hingegen niemand aus dieser Gruppe von Menschen die Kriminalität, die um diese Grenze herum stattfindet, sondern hält im Besonderen eine Mauer für nicht in der Lage diese Probleme zu lösen. Eine politische und humanitäre Lösung muss gefunden werden, keine aus Beton und Stahl.

5. Es ist uns vollkommen klar, dass ehemalige US-Präsidenten die bereits vorhandene Mauer zu Mexiko haben errichten lassen, was selbstverständlich ebenso inakzeptabel war.

6. Es gibt keine Mauer zwischen Mexiko und Guatemala. Diese Behauptung darf man getrost in die Kategorie Fake-News einsortieren.

7. Ja, wir haben auch schon gegen andere Mauern musikalisch protestiert, inklusive jener, die Israel und die Palästinensergebiete trennt (Projekt Symphony for Palestine, 2013).


TDTW: Presseerklärung 170522

Presseerklärung

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Keine Genehmigung für TEAR DOWN THIS WALL! auf amerikanischer Seite der Mauer in San Diego. Konzert findet trotzdem statt.

22. Mai 2017

US-Behörden erteilen keine Genehmigung für das Projekt „TEAR DOWN THIS WALL!“ der Dresdner Sinfoniker, die am 3. Juni 2017 zum kollektiven, künstlerischen Aufstand gegen die weltweit wachsende Abgrenzung, den Fanatismus und Nationalismus aufrufen. Ort und Anlass ist die von Präsident Donald Trump geplante Mauer, die zwischen den USA und Mexiko errichtet werden soll und die an vielen Stellen bereits existiert. Damit wird das geplante grenzübergreifende Zusammenspiel US-amerikanischer Künstler mit den Dresdner Sinfonikern und mexikanischen Musikern verhindert. Das eintrittsfreie Konzert am 3. Juni 11 bis 16 Uhr wird nun ausschließlich auf mexikanischer Seite stattfinden.

Der Auftritt der Dresdner Sinfoniker in Tijuana/San Diego in Kooperation mit Amnesty International Mexico sollte eine musikalische Brücke für Freiheit und Völkerverständigung schlagen. Mit ihrem Konzert in Tijuana (Parque del Mar) unmittelbar an der Grenze zur USA werden die Musiker zwar nach wie vor ein Signal gegen die Mauern in den Köpfen setzen, dem grenzübergreifenden Zusammenspiel wurde nun jedoch von US-Behörden eine Absage erteilt.

Jetzt erst recht! Die Dresdner Sinfoniker rufen insbesondere auch US-amerikanische Künstler, Musiker und gleichgesinnte Menschen auf, sich am gleichen Tag mit eigenen Aktionen oder Flashmobs an der gesamten 3.144 km langen Grenze zu beteiligen. Das Verbot der Behörden beschränkt sich nämlich ausschliesslich auf das Konzert der Dresdner Sinfoniker im Friendship Park/San Diego. Jeder ist eingeladen mitzumachen und Videos der eigenen Aktion über den Hashtag #teardownthiswall zu teilen.

Einladung an alle Musiker und Künstler hier.

Uraufgeführt werden am 3. Juni u.a. die Ballade «Beyond» von Wieland Reißmann und die geführte Improvisation «The Big, The Bug, The Cricket & The Quack» von Harald Thiemann, bei der die Dresdner Sinfoniker mit zahlreichen Perkussionisten aus Mexiko und den USA die Mauer in ein Instrument transformieren. Weitere Gäste sind u.a. das Jugendorchester Sinfonia Juvenil aus Tijuana, die Band Tijuana No!, die Popsängerin Ceci Bastida, die guatemaltekische Maya-Sängerin Sara Curruchich und die Jazz-Sängerin Coral MacFarland. Das Projekt TEAR DOWN THIS WALL! wurde durch eine Kickstarter-Kampagne mit Unterstützern aus über 40 Ländern finanziert.

Die Dresdner Sinfoniker verknüpfen seit Jahren ihre musikalischen Programme mit gesellschaftspolitischen Anliegen. 2016 sorgten sie mit dem deutsch-türkisch-armenischen Konzertprojekt aghet – ağıt, das an den Genozid an den Armeniern erinnerte, für weltweite Schlagzeilen. Sie wissen, was Zivilcourage und freiheitliches Denken bewirken können: Die meisten Mitglieder des Orchesters haben die deutsche Wiedervereinigung hautnah miterlebt. Der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, floh 1989 über die Bundesdeutsche Botschaft in Prag aus der DDR. Aufgrund dieser Erlebnisse haben die Dresdner Sinfoniker ein besonders großes Bedürfnis, sich für Freiheit und Menschlichkeit einzusetzen. Mit TEAR DOWN THIS WALL! suchen sie den Schulterschluss mit anderen Künstlern. Ähnlich wie die Bürger der DDR bei der Friedlichen Revolution wollen sie gemeinsam Mauern einreißen und neue verhindern.


Tear Down this Wall: Künstlerbrief

TEAR DOWN THIS WALL!

Liebe Künstler*innen, liebe Musiker*innen,

lasst uns am 3. Juni 2017 gemeinsam ein weltweites Signal gegen Abschottung, Nationalismus und Fanatismus setzen! Beteiligt Euch an unserem Happening entlang der gesamten mexikanisch-amerikanischen Grenze! Ob mit Musik, Gesang, Tanz und Malerei an der Mauer oder mit einem Volleyball-Match darüber – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn Ihr mitmachen wollt, kontaktiert uns bitte unter «jahn@dresdner-sinfoniker.de»

Falls Ihr nicht teilnehmen könnt, würden wir uns auch über Eure Video-Botschaft im Vorfeld freuen.

Die Dresdner Sinfoniker werden am 3. Juni im Friendship Park Tijuana/San Diego mit Musikern und Sängern aus Mexiko und den USA auftreten. Schließt Euch am selben Tag mit eigenen Aktionen an vielen weiteren Stellen der 3.144 km langen Grenze an und teilt Eure Videos/Fotos unter dem Hashtag #teardownthiswall mit aller Welt!

Unser Happening richtet sich nicht nur gegen die von Trump geplante „schöne und gewaltige Mauer“, sondern auch gegen die weltweite Tendenz zur Isolation und die Mauer in den Köpfen. Viele Mitglieder der Dresdner Sinfoniker haben den Fall der deutsch-deutschen Grenze 1989 hautnah miterlebt. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, für Freiheit und Weltoffenheit einzutreten.

Teilt dieses Anschreiben per Mail und in den sozialen Netzwerken. Erzählt von der Initiative und begeistert auch andere für die Idee, mit Hilfe von Musik und Kunst echte und ideelle Mauern einzureißen.

Nehmt an unserer Facebook-Veranstaltung teil und folgt den Dresdner Sinfonikern auf Facebook und Twitter.

Wir danken Euch für die Unterstützung und hoffen am 3. Juni auf ein unübersehbares Zeichen!

Herzliche Grüße, Eure Dresdner Sinfoniker


Symphony for Palestine: Cinema Jenin schließt

Aktuelles

Newsletter des Cinema Jenin e.V.

10. Dezember 2016

Liebe Freunde und Unterstützer von Cinema Jenin,

Verschiedene Zeitungen haben in den letzten Wochen über das Ende von Cinema Jenin berichtet. Jetzt, nach Monaten der Verhandlungen, müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, dass Cinema Jenin seine Türen für immer schließt.

Die Besitzer von Cinema Jenin haben entschieden, das Kino an einen Investor zu verkaufen, der ein Einkaufszentrum an seiner Stelle errichten wird.

Cinema Jenin kam 2014 das erste Mal in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Nach fünf Jahren großzügiger finanzieller Unterstützung musste sich die Evangelische Kirche in Frankfurt anderen Projekten zuwenden. Um erneut Aufmerksamkeit auf das CJ Projekt zu lenken, haben wir letztes Jahr eine Benefiz-Tour mit dem Film CINEMA JENIN durch Deutschland, die Schweiz, Österreich und Liechtenstein organisiert. Doch leider konnten wir nur sehr kleine finanzielle Mittel akquirieren. Zur selben Zeit lief auch unser 8-Jahres-Vertrag aus und die Besitzer kündigten eine massive Mietpreiserhöhung an, viel mehr als Cinema Jenin bezahlen konnte. Schließlich stand die Entscheidung der Besitzer, das Kino zu verkaufen.

Dr. Lamei, der die Leitung des Kinos nach der Eröffnung 2010 übernommen hat, versuchte alles, um Cinema Jenin zu retten. Er kontaktierte das Kultusministerium in Ramallah, er sprach mit der Palästinensischen Autonomiebehörde, und er traf sich mit dem Gouverneur von Jenin. Doch leider waren Bemühungen vergeblich.

Als ich vor 2 Monaten die Nachricht von Dr. Lamei erhielt, dass die Besitzer Cinema Jenin verkaufen möchten, haben wir unverzüglich das deutsche Außenministerium kontaktiert und um dessen Mithilfe in dieser schwierigen Situation gebeten. Letztendlich wollte sich jedoch niemand für das Kino verantwortlich zeigen.

Als ich die ersten Bilder sah, wie die Bühne des Kinos eingerissen wurde, war das ein sehr schmerzhafter Moment. So viele Menschen haben mit großer Leidenschaft, ihre Arbeit, Zeit und Geld investiert, um diesen verlassenen Ort wiederaufzubauen, und nun wird all dieses wunderschöne Kino für ein Einkaufszentrum zerstört.

Ja, es wurden viele Träume zerstört, auch Dr. Lameis Traum, das Kino, das einst sein Vater gebaut hat, wieder zum Leben zu erwecken. Dennoch, das Projekt Cinema Jenin war nicht umsonst. So viele Freundschaften und Beziehungen sind dabei entstanden, Freundschaften zwischen Menschen, die sich sonst nie getroffen hätten. Sie werden weiter bestehen.

Danke – an alle, die geholfen haben, diesen einzigartigen kulturellen Ort zu schaffen.

Danke an alle Personen, Institutionen und Firmen, die das Kino über Jahre hinweg unterstützt haben.

Und ein großes Danke an diejenigen, die an diesen Traum geglaubt haben – auch wenn er nur für so kurze Dauer Bestand hatte…

Das Gästehaus wird vorerst weiterbestehen. Ein Großteil der Kino-Ausstattung wird an das Freedom Theater gehen, um dort in einem kleineren Kino eingesetzt zu werden. Auf diese Weise wird zumindest ein Teil von Cinema Jenin weiterleben und mit dem Andenken an Juliano Mer Khamis und des Freedom Theaters verbunden bleiben – denn das Freedom Theater im Flüchtlingslager Jenin ist und bleibt ein fortlaufender und lebendiger kultureller Treffpunkt in Jenin.

Marcus Vetter und das Cinema Jenin Team


Aghet: Offener Brief

Aktuelles

Offener Brief an Frank-Walter Steinmeier

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Lieber Frank-Walter Steinmeier,

die schriftliche Antwort und Absage des Auswärtigen Amts auf unseren ausdrücklichen Wunsch, das Konzert in Istanbul nicht zu verschieben, endet mit den Worten: “Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass wir unsere Zusammenarbeit im Interesse der Annäherung zwischen der Türkei und Armenien fortsetzen sollten. Ich schlage vor, dass wir dazu im Gespräch bleiben und eine Durchführung Ihres Projekts unter günstigeren Rahmenbedingungen und mit einer besseren Vorbereitung als der derzeitigen neu planen.”

Wir können nicht auf einen fernen Termin in vager Zukunft in Istanbul hoffen, das Angebot des Auswärtigen Amts auf Verschiebung macht kaum Sinn, denn wenn kein Wunder geschieht, steht es außer Zweifel, dass sich die Lage in der Türkei innerhalb dieser Legislaturperiode nicht verbessern wird. Sie selbst nennen in der Begründung Ihrer Absage die Gründe dafür.

Die Zeit drängt. Wir möchten Ihnen einen konstruktiven Gegenvorschlag machen: wir wünschen uns, dass Sie, sehr geehrter Herr Steinmeier, Schirmherr der deutsch-türkisch-armenischen Freundschaftsgesellschaft werden. Die Gründungsveranstaltung wird demnächst in Berlin stattfinden. Gemeinsam suchen wir einen Termin, den Sie einrichten können. Die bisherigen Mitglieder sind hochangesehene Persönlichkeiten der armenischen, türkischen und deutschen Zivilgesellschaft, unter ihnen Cem Özdemir, Osman Okkan, Rolf Hosfeld, Lianna Haroutounian und Ilias Uyar.

Schon 1915 hätte Berlin Einfluss nehmen können auf den Verlauf der Geschichte, auf das Schicksal der Armenier in der Türkei. Heute sehen wir dies einhellig als schweres Versäumnis an, als Mitschuld! Jedoch setzt sich die leidvolle Geschichte der Minderheiten und Andersdenkenden in der Türkei fort. In den letzten Wochen sind zehntausende Menschen entlassen, verhaftet, gefoltert oder getötet worden. Ist dies nicht auch deshalb möglich, weil Verbündete und Partner aus strategischem Kalkül seit langem schweigen? Sicher richtet jede weitere Verstimmung jetzt Schaden an. Sicher ist es kritisch, den diplomatischen Faden zu gefährden, der so dünn gesponnen ist. Der Fehler aber liegt am Anfang des Schweigens. Ihn nicht zu korrigieren sondern immer weiter fortzusetzen, wird in der Rückschau das größte Leid verursacht haben.
Wir bitten Sie, unsere Einladung zur Gründungsveranstaltung anzunehmen, zu prüfen, ob Sie unseren Vorschlag zur Schirmherrschaft annehmen möchten.

Mit herzlichen Grüßen,
Marc Sinan und Markus Rindt


Aghet: Protest gegen Austieg der Türkei

Presse-Erklärung

Protest gegen den Ausstieg der Türkei aus der EU-Kulturförderung wegen des Projektes „aghet – ağıt“

Samstag, 8. Oktober 2016

Wir protestieren aufs Schärfste gegen die Entscheidung der Türkei, sich nicht mehr am EU-Kulturprogramm zu beteiligen. Laut türkischen Medienberichten und Aussage der EACEA (Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur) hat die türkische Regierung die Zusammenarbeit aufgrund des dem Völkermord an den Armeniern gewidmeten Versöhnungsprojektes aghet beendet. Die Reaktion der türkischen Regierung trifft vor allem die türkischen Künstlerinnen und Künstler, die von der Förderung der EACEA künftig ausgeschlossen werden. Die europäische Kulturförderung beträgt 1,5 Milliarden Euro und kommt ausgewählten Kooperationsprojekten zwischen mindestens drei Ländern zugute.

Wir, die Initiatoren des Projektes, der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, und der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist Marc Sinan, sagen: „Es ist ein perfider Akt der türkischen Regierung, eine Versöhnungsinitiative als Vorwand zu nutzen, um türkische Künstler zu bestrafen.“

Die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan nehmen ihr bevorstehendes Konzert in Istanbul nun zum Anlass, eine deutsch-türkisch-armenische Freundschaftsgesellschaft zu gründen. Sie schließen sich damit dem türkischen Philantrophen Osman Kavala an, der laut Süddeutscher Zeitung kürzlich deutsche Künstler und Kulturinstitutionen beschwor, die kulturellen Kontakte zu seiner Heimat nicht zu kappen – die Türkei könne sich sonst in einen geschlossenen Staat verwandeln.

Die Initiative ist an die einst von Mikis Theodorakis gegründete „griechisch-türkische Freundschaftsgesellschaft“ angelehnt. Nach diesem Vorbild streben die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan auf kultureller Ebene nach Verständigung und Versöhnung zwischen Armenien, der Türkei und Deutschland. Bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik aus allen drei Staaten sind unter den Gründungsmitgliedern.

Das Projekt aghet erregte im April 2016 internationale Aufmerksamkeit, nachdem der türkische EU-Botschafter dagegen interveniert und von der Europäischen Kommission die Einstellung der Unterstützung verlangt hatte. Durch die Teilnahme an der EU-Kulturförderung hatte auch die Türkei aghet finanziell unterstützt.
s. Webseite www.aghet.eu

Mit aghet gedenken Musikerinnen und Musiker aus der Türkei, Armenien, Deutschland und dem ehemaligen Jugoslawien des Völkermordes an den Armeniern vor 100 Jahren. Die türkische Komponististin Zeynep Gedizlioğlu, der armenische Komponist Vache Sharafyan und der deutsche Komponist Helmut Oehring haben für das Projekt neue Orchesterwerke geschrieben.

Nach der Uraufführung im November 2015 in Berlin und der international beachteten Aufführung im Festspielhaus Hellerau (Dresden) im April 2016, wird das Projekt am 5. November 2016 in Kooperation mit dem No Borders Orchestra in Belgrad, am 10. November in Jerewan und schließlich in einer kammermusikalischen Fassung am 13. November 2016 in Istanbul zu erleben sein.


Aghet: Grußwort Steinmeier

Aktuelles

Grußwort des Bundesministers des Auswärtigen, Dr. Frank-Walter Steinmeier, zum deutsch-türkisch-armenischen Konzertprojekt des Dresdner Sinfoniker

„Die Deportation der armenischen Bevölkerung aus Anatolien liegt rund hundert Jahre zurück. Doch die offizielle Versöhnung des armenischen und des türkischen Volks über die Ereignisse in den Jahren 1915/16 steht weiter aus.

Umso wichtiger sind Impulse für einen neuen, konstruktiven Dialog. Gerade künstlerischer und kultureller Austausch auf dem Gebiet der Musik kann hierbei einen unschätzbaren Dienst erweisen.

Das Konzertprojekt aghet – ağit, das die Dresdner Sinfoniker gemeinsam mit dem Gitarristen und Komponisten Marc Sinan initiiert haben, führt Publikum und Künstler aus der Türkei und Armenien sowie aus Deutschland zusammen. Beispielhaft realisiert diese interkulturelle und internationale Zusammenarbeit so den Schulterschluss zwischen Angehörigen der ehemaligen Konfliktparteien. Gemeinsam treten die Künstler für eine friedlichere und gerechtere Zukunft ein.

Eine türkische Komponistin sowie ein armenischer und ein deutscher Komponist verleihen gemeinsam mit den beteiligten Musikern nicht nur den Toten eine Stimme, sondern sie schaffen auch den Brückenschlag zur jüngsten Geschichte von Hass und Gewalt. Doch wie bereits bei den vorausgegangen Projekten der Dresdner Sinfoniker – Dede Korkut, Hasretim oder Cinema Jenin – verharren die Beteiligten nicht im Hass, sondern rufen zur Versöhnung auf.

Musikalischer Kooperationspartner ist unter anderem das No Borders Orchestra, das Interpreten aus allen Staaten des ehemaligen Jugoslawien vereint und bereits ein Netzwerk in allen Ländern dieser Region etabliert hat – über alle Grenzen, politischen und ethnischen Auseinandersetzung hinweg.

Ich bin überzeugt: Nur wer die Träume und Traumata des anderen kennt und anerkennt, kann sich gemeinsam auf den Weg machen zu den helleren Seiten unseres Kontinents. Aghet – ağit ist einer der Leuchttürme auf diesem Pfad.“


Aghet: Türkei interveniert

Pressemitteilung

Angriff auf die Meinungsfreiheit: Türkei interveniert bei EU-Kommission gegen Dresdner Sinfoniker

24. April 2016

Die Ständige Vertretung der Türkei bei der Europäischen Union verlangt von der EU-Kommission die Einstellung der Unterstützung des Konzertprojekts „aghet – ağıt“ der Dresdner Sinfoniker. Die EU-Kommission und die Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) kamen der Forderung nicht nach.

Eine hochrangige Quelle aus der EU-Kommission hat außerdem bestätigt, dass man dem Verlangen der türkischen Botschaft, die Projektbeschreibung von der Website der EU-Kommission zu nehmen, nachgekommen ist. Hintergrund soll die Überarbeitung und “Entschärfung” der Formulierung sein. Es wurde allerdings bestätigt, dass die Kommission und die EACEA voll und ganz hinter dem Projekt stehen.

„Dass die türkische Regierung nun selbst vor Einflussnahme auf die freie Meinungsäußerung in Kunst und Kultur auf europäischem Boden nicht zurückschreckt, ist ein Warnsignal. Sie verlangt einen Maulkorb für Botschaften, die ihr nicht passen und überschreitet damit eine weitere Grenze. Völlig klar ist, dass wir einer Vermeidung des Begriffes Völkermord nicht zustimmen werden. Es ist mehr als überfällig, zu einer gemeinsamen europäischen Haltung gegenüber dieser tragischen Episode der türkischen Geschichte zu kommen. Der Genozid an den Armeniern und dessen Leugnung durch die türkische Regierung strahlt in die Gegenwart aus und ebnet den Boden für die maßlose Gewalt gegenüber der kurdischen Bevölkerung. Das Appeasement durch die EU-Kommission macht Europa zum Mittäter“, sagt Marc Sinan. Der Komponist und Gitarrist hat sowohl deutsche, türkische als auch armenische Wurzeln und ist einer der Initiatoren von „aghet – ağıt.

Das von der EU geförderte Konzertprojekt thematisiert den Genozid an den Armeniern. Das Ziel von „aghet – ağıt“ ist das gemeinsame Gedenken und die Versöhnung über die damaligen Geschehnisse. Durch die Zusammenarbeit von deutschen, türkischen und armenischen Musikern und Komponisten wird dies in dem Projekt bereits beispielhaft verwirklicht.

„Wir haben schon 2014 in unserem Projekt „Dede Korkut“ die Erfahrung gemacht, dass allein die Benennung des Genozids genügt, um die türkische Regierung auf den Plan zu rufen. Damals zogen das türkische Ministerium für Tourismus und Kultur und die aserbaidschanische Botschaft unmittelbar vor der Premiere ihre Unterstützung zurück“, erklärt der Intendant der Dresdner Sinfoniker Markus Rindt.

Die nächste Aufführung von „aghet – ağıt“ im Dresdner Festspielhaus Hellerau wird am 30. April 2016 stattfinden. Am 29. April um 19 Uhr ist das theaterpädagogische Vermittlungs-projekt dazu, „Die 40 Tage des Musa Dagh“ mit Schülerinnen und Schülern zweier Dresdner Gymnasien unter der Regie von Tom Quaas, zu sehen. Im November 2016 soll „aghet – ağıt“ in Istanbul, Belgrad und Jerewan gastieren. Die Intervention der Türkei zeigt, wie wichtig gerade das Konzert in Istanbul für die gemeinsame Vergangenheitsbewältigung ist.