Hochhaussinfonie

revisited

Hochhaussinfonie revisited

20 Jahre Hochhaussinfonie der Dresdner Sinfoniker
2 Filme im Festspielhaus Hellerau plus Filmgespräch am 25. April 2026

Im Jahr 2026 blicken die Dresdner Sinfoniker auf eines ihrer beeindruckendsten Projekte zurück: die Hochhaussinfonie. Was vor 20 Jahren als spektakuläres Experiment begann – eine Filmvorführung mit Live-Orchester auf einem der längsten Plattenbauten Dresdens an der Prager Straße – hat sich in der Erinnerung der Dresdner Stadtgesellschaft längst etabliert. Im Juli 2006 standen die Pet Shop Boys auf dem Dach des Wohnblocks, die Musik erklang von den Balkonen und die Filmbilder wurden auf eine riesige Leinwand an der Fassade projiziert: Kunst traf auf Alltag, Hochkultur auf Plattenbau, Geschichte auf Gegenwart.

Die künstlerische Grundlage jenes Abends bildete Sergej Eisensteins Stummfilmklassiker Panzerkreuzer Potemkin (1925) – ein Film, der bis heute nichts von seiner Wucht verloren hat. Eisensteins meisterhafte Montage, insbesondere die weltberühmte Szene an der Odessaer Treppe, erzählt vom Aufstand russischer Matrosen gegen die zaristische Willkürherrschaft und wurde zu einem der einflussreichsten Werke der Filmgeschichte. Dass dieser Film heute mit anderen Augen gesehen werden muss, liegt auf der Hand: Seit dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hat das Bild des russischen Kriegsschiffs, der Aufruhr gegen ein Regime und die Treppe in Odessa – einer ukrainischen Stadt, die selbst unter Beschuss geriet – eine neue, schmerzhafte Bedeutungsebene gewonnen. Der Film, einst als Propagandawerk der Sowjetunion konzipiert, wird so unfreiwillig zum Spiegel einer Gegenwart, in der die Nachfolgestaaten der UdSSR in einem blutigen Krieg gegeneinander stehen. Was Eisenstein als revolutionären Befreiungsakt inszenierte, wirkt heute wie eine bittere Vorgeschichte zu jenem Imperialismus, der die Ukraine seit Jahren bedroht. Das Publikum ist eingeladen, den Film in diesem Bewusstsein zu erleben – als Kunstwerk, als historisches Dokument und als Folie für die Gegenwart.

Einen weiteren besonderen Rahmen erhält die Vorführung durch ein filmhistorisches Jubiläum: 2026 jährt sich die Deutschland-Premiere von Panzerkreuzer Potemkin zum hundertsten Mal. Gezeigt wird der Film mit der großartigen Musik der Pet Shop Boys und der Dresdner Sinfoniker, die für diesen Anlass in einer 2024 remasterten und digital neu aufbereiteten Fassung erklingt. Im Anschluss kommen Vertreter*innen der Deutschen Kinemathek, der Programmleiter des Festspielhauses Hellerau, Moritz Lobeck sowie der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, mit dem Publikum ins Gespräch.

Den zweiten Teil des Abends bestreitet der Dokumentarfilm Hochhaussinfonie von Bettina Renner. Die Filmemacherin begleitete das Projekt in der Vorbereitungsphase bis zum Konzert mit der Kamera und schuf damit ein einzigartiges Zeitdokument. Ihr Film richtet den Blick nicht nur auf das musikalische Spektakel selbst, sondern ebenso auf die Menschen dahinter: auf die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnblocks, ihre Erinnerungen an das Leben in der DDR und ihre ganz persönliche Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Ereignis. So entsteht ein vielschichtiges Porträt – von einem Ort, einem Orchester und einer Stadt, die ihre eigene Geschichte immer wieder neu befragt.

Termin

25. April 2026 | 20:00 Uhr | Dresden
Festspielhaus Hellerau
Zwei Filmvorführungen

20:00 Uhr
Panzerkreuzer Potemkin (Sergej Eisenstein)
Blu-ray Release, Pet Shop Boys 2025
Anschließende Gesprächsrunde

22:00 Uhr
Hochhaussinfonie (Bettina Renner)
Dokumentarfilm zur Aufführung der Hochhaussinfonie 2006

Tickets können Sie hier erwerben.

Ein Projekt der Dresdner Sinfoniker und des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek. Die Dresdner Sinfoniker werden gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus und von der Landeshauptstadt Dresden durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz. Sie werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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